Code statt Klischees

Shownotes

Weitere Informationen zum Projekt und zu Spawnpoint: https://institut-spawnpoint.de/ https://institut-spawnpoint.de/projekte/jh2go

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Episode 6 – Digitale Teilhabe in Thüringen

Intro

„Bits und Bratwurst. Dein Upgrade für Thüringen mit Steffen Schütz und Milen Starke.“

Gespräch

Milen Starke

„Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Bits und Bratwurst. Hier sprechen wir über Digitalisierung in Thüringen. Egal ob im Alltag, im Beruf oder in der Verwaltung. Ich bin Milen Starke, Thüringens Staatssekretärin für Digitales. Und heute haben wir wieder ein ganz interessantes Thema mitgebracht, nämlich das Thema digitale Teilhabe in Thüringen. Und wir werden uns mit speziellen Projekten auseinandersetzen, die zum Beispiel auch die Gruppe der MINTA* betrifft oder auch den ländlichen Raum. Und ich kann so viel schon mal sagen: Es wird sich um das Projekt „Jugend hackt 2 go“ handeln und ich freue mich sehr, heute Jennifer bei mir begrüßen zu dürfen von Spawnpoint. Schön, dass du da bist.“

Jennifer Neißer

„Hallo und danke schön für die Einladung. Schön, dass ich da sein darf.“

Milen Starke

„Super. Und bevor wir ein bisschen mehr von dir erfahren. Und auch was das Institut Spawnpoint konkret macht, müssen wir natürlich auch noch mal einen Blick zurück wagen in die letzte Folge, die für diejenigen, die natürlich aufmerksam zugehört haben, nicht durch mich durchgeführt wurde, sondern durch unseren Minister Steffen Schütz. Nichtsdestotrotz haben wir natürlich auch wieder unsere Anglizismen gezählt. Denn für jeden Anglizismus, den wir hier im Podcast nennen, werden wir fünf Euro in unser Phrasenschwein packen und dann am Ende unserer Podcastreihe dann auch eine Spende durchführen. Und beim letzten Mal waren wir tatsächlich gar nicht so stark unterwegs. 15 Anglizismen haben wir gezählt und wir können sagen 75 Euro gehen in unser Phrasenschwein. So, und jetzt kommen wir zu dir. Erzähl uns mal ein bisschen was. Wer bist du? Was machst du und was ist Spawnpoint?“

Jennifer Neißer

„Also ich bin aktuell Medienpädagogin bei Spawnpoint, mache da sehr viel in der Medienbildung, Medienkompetenzvermittlung. Aktuell war es sehr viel die Zielgruppe Jugendliche so ab elf Jahren und Spawnpoint ist ein gemeinnütziger Verein. Die Arbeit von Spawnpoint ist so auf vier Säulen basiert. Also das erste ist Transfer. Wir möchten Digitalkultur greifbar machen. Wir möchten nicht nur darüber reden, was ist das eigentlich? Sondern wir möchten Dinge ausprobieren und auch Lösungen in die Praxis bringen. Das soll nicht so theoretisch sein. Dann gibt es den Punkt Bildung und Teilhabe, der uns sehr wichtig ist. Das bedeutet Multiplikatorinnen, Fachkräfte, die erst mal fit gemacht werden im digitalen Bereich, um das Wissen dann auch weitertragen zu können, mit Fortbildungen, Weiterbildungen. Und da haben wir einen schönen Raum, wo wir alle einladen können. Und das ist auch sehr barrierearm dort. Das heißt, da sind sehr viele Möglichkeiten bei uns, dann ist uns die Vernetzung ganz wichtig. Das Thema unterschiedliche Bereiche zusammenbringen, die vielleicht sonst gar nicht so zusammenfinden würden, also Schule, Jugendarbeit mit Hochschulen, Handwerk, Zivilgesellschaft. Das ist ein großer Fokus. Und dann auch noch die Forschung tatsächlich. Also wir schauen warum gibt es denn überhaupt auf diese Skepsis gegenüber Digitalisierung? Wo kommt das her und wie können wir das vielleicht auflösen und Akzeptanz schaffen dafür? Das heißt, insgesamt möchten wir digitale Basiskompetenzen einfach fördern, auch eine echte und chancengerechte Teilhabe ermöglichen und nicht nur drüber reden und diesen digitalen Wandel auch wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praxisnah begleiten.“

Milen Starke

„Super, unglaublich wichtiger Punkt ist ja auch in unserer Digitalstrategie, die wir uns letztes Jahr gegeben haben, hier im Digitalministerium auch ein ganz wichtiger Part. Einfach weil wir merken, dass wir in Thüringen, was das Thema der Akzeptanz von Digitalisierung betrifft, tatsächlich im Bundesdurchschnitt weiter unten sind. Wir haben 2024 eine Studie durchführen lassen von der Initiative D-21, wo ganz klar herauskommt, dass unsere Digitalkompetenzen, vor allen Dingen auch bei den Jüngeren, geringer sind als im Bundesdurchschnitt. Und das ist tatsächlich eine Selbsteinschätzung. Das heißt, die jüngeren Menschen in Thüringen schätzen sich selbst schlechter ein, mit Digitalisierung umzugehen. Und das ist für mich auch eine unglaubliche Erkenntnis gewesen. Und wir haben tatsächlich auch eine Differenz zwischen jungen Menschen und älteren Menschen. Das heißt, die Älteren schätzen sich in Thüringen tatsächlich besser ein, mit Digitalisierung umzugehen als die Jüngeren. Und es ist ja doch ein bisschen ein Paradoxon, dass wir eigentlich wissen, dass die Jugendlichen heutzutage gefühlt 100 Meter am Tag auf ihrem Smartphone scrollen, aber tatsächlich dann wirklich diese Medienkompetenz für sich gar nicht wirklich besitzen. Kannst du da vielleicht sagen, warum das so ist? Gibt es da Anhaltspunkte?“

Jennifer Neißer

„Also ich kann es für die MINTA*-Perspektive auf jeden Fall sagen, weil wir das im Projekt auch extrem oft rausgefunden haben. Also bei Jugendlichen ist das Problem. Also das sind hauptsächlich Waren es Mädchen tatsächlich.“

Milen Starke

„Bei uns müssen wir vielleicht noch kurz den Begriff erklären.“

Jennifer Neißer

„Genau. Bei MINTA*-Jugendlichen. Das sind Mädchen, inter, nonbinär, Transgender und Gender-Jugendliche, die sich da identifizieren in irgendeiner Form. Und da ist das ganz große Problem. Das geht viel über die Sozialisierung und da sind sehr viele stereotype Rollenbilder. Das heißt, Mädchen machen eigentlich das, Jungs machen eigentlich das. Und das führt dann ganz schnell dazu, dass, wenn das im persönlichen Umfeld rüberkommt, ganz oft und auch über Lehrkräfte, dass diese Interessen gar nicht wirklich gefördert werden und dass dann das Resultat ist. Die Selbsteinschätzung sinkt unglaublich. Also die trauen sich weniger zu. Die probieren nicht mehr so viel aus, weil sie schon diese Vorurteile selbst verinnerlicht haben. Und da können wir vielleicht sogar die Kerbe schlagen zu der Zukunft der beruflichen Ausbildung, dem Werdegang, weil die Jugendlichen dann diese Berufe deutlich weniger aufnehmen. Es gibt da spannende Zahlen, wenn ich mal zwei, drei Zahlen nennen darf. Das ist jetzt für ganz Deutschland. Der Frauenanteil in MINT-Ausbildungsbereichen lag 2024 bei zwölf Prozent. Und dann wird es im Berufsalltag sogar noch mal weniger, weil nicht alle übernommen werden von den Betrieben. Wenn wir da ins Akademische gehen auf den weiterführenden Schulen sind 17 Prozent der Mädchen im Bereich Informatik auf erhöhtem Anforderungsniveau unterwegs. Und wenn es dann um Abschluss im Informatikstudium geht, da sind es gerade mal 22 Prozent Frauenanteil. Das bedeutet, diese Schienen, die in der Jugend gelegt werden, die haben eine ganz große Auswirkung durch die Schulzeit und dann auch im Arbeitsalltag. Und hier ist noch mal eine Hürde, die auch immer noch nicht richtig ausgeglichen ist, dass das Gehalt stellenweise immer noch niedriger angesetzt wird, weil gerade auch im akademischen Bereich werden weibliche Bewerberinnen immer noch als weniger kompetent angesehen, auch wenn das vielleicht gar nicht stimmt. Und dann werden sie eben auch weniger gut bezahlt als männliche Kollegen.“

Milen Starke

„Ein unglaublicher Missstand. Und wir hoffen, dass wir heute vielleicht auch so ein bisschen ein Umdenken bei unseren Zuhörerinnen und Zuhörern entfachen, dass wir tatsächlich diesen Gap zukünftig schließen können. Vielleicht gucken wir noch mal so ein bisschen auf eure Projekte, die ihr macht. Das heißt, die Problemstellung ist sozusagen jetzt erst mal klar definiert, Da müssen wir etwas machen. Und was macht ihr konkret? Welche Projekte gibt es bei euch und wie können vielleicht auch junge Mädchen sozusagen zu euch kommen und sich engagieren?“

Jennifer Neißer

„Ganz konkret gab es das Projekt „Jugend hackt 2 go“. Das ist jetzt natürlich schon abgeschlossen, aber das soll nicht der Abschluss sein. Wenn ich da mal ganz kurz umreißen darf, was wir da gemacht haben. Also das war tatsächlich ein Forschungsprojekt, weil es Praxis und Forschung miteinander verbinden sollte. Eine Kooperation mit einem Verein aus Berlin, Mediale Pfade, die sind auch in der Medienbildung tätig. Und hier ist noch ganz wichtig zu sagen, das war eine Bundesförderung vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Das nannte sich Innovationssprint von dem Programm DATIpilot. Nur das war eben eine Förderung, wo wir sehr viele Freiräume hatten. Das war wirklich bürokratisch sehr entspannt, sage ich mal, und da haben wir gemeinsam mit den Schulsozialarbeitern und Lehrkräften im Landkreis Sömmerda außerschulische Workshops aufgebaut. Die waren auf MINTA*-Jugendliche ausgerichtet, und da war das Ziel, den einen sicheren Rahmen geben zu können, wo sie sich ausprobieren können, ohne Bewertung, ohne dass irgendjemand über sie urteilt. Und wir haben als Forschungsaspekt auch untersucht: Was sind denn Gelingensbedingungen, was muss man ihnen bieten? Sozusagen, dass es funktioniert, dass sie Spaß haben und auch bleiben möchten. Und daraus entstanden, was für die Zukunft jetzt auch auf jeden Fall genutzt werden kann und soll, ist einmal ein Leitfaden, um Fachkräften zu zeigen: Wie können wir denn so einen Workshop selbst aufbauen, dass da so ein paar Tipps und Anleitungen aufgelistet sind und dann auch sogenannte freie Bildungsmaterialien. Diese Open Educational Resources, wo wir zu Themen wie da ist KI mit bearbeitet, visuelle Programmiersprachen, 3D Druck, also alles wo man sich als Mädel vielleicht nicht so klassisch rantraut, wird da so ein bisschen umrissen, um zu zeigen, wie man einen Workshop gestalten könnte. Und eine Stärke dieses Projekts war, dass wir diese Workshopmaterialien ganz eng mit der Zielgruppe und im Test mit der Zielgruppe weiter oder weiterentwickeln konnten. Wir haben Feedback von den Teilnehmenden und den Workshopleitungen vor Ort bekommen und konnten das dann ganz spezifisch auf die Zielgruppe anpassen. Also das hat unglaublich geholfen, weil sonst ist so was ja auch oft sehr theoretisch Und wenn es dann einmal getestet wird, ist vielleicht dann das Projekt schon vorbei und man kann es gar nicht mehr abändern. Wir haben da insgesamt zehn Schulen begleitet. Am Ende waren es dann noch fünf, die Wochen oder monatelang tatsächlich mit uns zusammengearbeitet haben. Dann 56 Workshops mit über 140 Jugendlichen. Und da haben wir gemerkt, da ist ein unglaublich großer Bedarf im ländlichen Raum, weil die haben so wenig Zugang. Also wenn es mal Workshops oder AGs gibt an den Schulen sind die oft sehr klassisch. So, das ist ja nicht schlimm. Also Töpfern und Kochen ist alles super, Aber diese technischen AGs, da haben sich die Mädels, wenn es sie gab, oft nicht hingetraut. Das haben sie uns gegenüber auch gesagt und das wurde auch so gut angenommen. Also wir haben gemerkt, anfangs so dieses zögerliche und sie haben sich nicht so viel zugetraut, weil das eben einfach so im Kopf drin war. Und dann nach ein paar Terminen, sind die aufgeblüht und haben die Technik benutzt, als wäre es, wäre es nie anders gewesen. Haben alles wenn neue Teilnehmende dazu kamen, haben die das alles erklärt. Wir mussten am Ende gar nicht mehr viel machen. Also das war ein Selbstläufer. Die waren so kollegial untereinander und das hat. Also das war wunderschön, das zu sehen, wie die aufgeblüht sind. Und das hat diese Arbeit so, so wichtig gemacht und auch so erfolgreich, weil wir gesehen haben, natürlich bringt das was.“

Milen Starke

„Also das ist ja tatsächlich immer die Frage, warum macht man das? Ist das überhaupt zielführend für so ein kleines Projekt, wo ich sage mal 150 Personen profitieren. Ob das überhaupt wirklich gerechtfertigt ist? Und ich glaube, alleine wenn wir es nur schaffen, ein Mädchen davon zu überzeugen, im MINT-Bereich unterwegs zu sein, ist das glaube ich schon ein unglaublich großer Erfolg. Ich kann das aus meiner persönlichen Erfahrung durchaus bestätigen, dass es sehr interessant ist, immer mal die Einzige zu sein, die im Raum sitzt. Sei es im Bereich der Softwareentwicklung, in der IT, Infrastruktur oder auch jetzt tatsächlich im Digitalministerium. Es gibt viele Gremien, wo wir tatsächlich auch noch nicht so viele Frauen mit dabei haben. Also auch hier noch mal der Appell an alle: Wir haben durchaus ein paar sehr gute Stellenbeschreibung gerade draußen. Da sind wir natürlich auch sehr offen für gute junge Frauen. Was mich aber tatsächlich auch noch mal interessieren würde ist: Was ist jetzt der Anschluss an das Projekt und vielleicht auch noch mal welche Inhalte wurden von den jungen Mädchen dann auch tatsächlich umgesetzt? Das heißt vielleicht auch noch mal so ein bisschen den Einblick: Was haben sie denn tatsächlich gemacht? Was ist der Anschluss an so ein Projekt? Und was mich dann natürlich auch noch mal interessieren würde, ist, weil du hattest gesagt Landkreis Sömmerda, das heißt, wir sind im ländlichen Raum. Warum braucht es solche Projekte dann tatsächlich auch speziell im ländlichen Raum?“

Jennifer Neißer

„inhaltlich das war eine sehr große Bandbreite. Also wenn wir mal visuelle Programmierung, da gab es so Tools wie Scratch oder die Delightex oder so, da ging es drum, an diese Programmiersprache irgendwie erst mal ein bisschen vorsichtig heranzuführen, weil die sind ganz schnell abgeschreckt, wenn man da was coden muss. Also wenn man da schreiben muss und diese Hieroglyphen erstmal nicht versteht. Das ging sehr einfach über sehr visuelle Inputs, sag ich mal, und das hat sehr gut funktioniert. Und da haben sie dann tatsächlich kleine Spiele erstellt, kleine 3D-Welten, wo man mit der VR-Brille dann rumgehen rumlaufen konnte. Dann haben wir im Bereich Making kleine Armbänder erstellt, die dann beim Verschließen geleuchtet haben, das heißt einen geschlossenen Stromkreis erzeugt. Dass das auch so diese Stromlehre, irgendwie ein bisschen veranschaulicht werden konnte, weil das etwas sehr Abstraktes ist. Und wir haben gemerkt, fünfte/sechste Klasse ist das keine Voraussetzung, dass Sie das wissen, Was ist eigentlich ein Stromkreis? Wie funktioniert der? Das heißt, dieses abstrakte ein bisschen greifbarer machen, das war wichtig und insgesamt schnell zu kleinen Ergebnissen kommen und auch was mit nach Hause nehmen können. Also beim 3D-Druck haben die Modellierungsprogramm selber was erstellt, kleine Figuren, kleine Schlüsselanhänger und konnten die dann auch selber ausdrucken. Und bei KI-Workshops war es zum Beispiel um. Ja mit diesem Prompting umgehen zu können und zu verstehen, was macht die KI da? Aber wie ist die auch trainiert? Also dass man nicht alles für bare Münze nehmen darf, dass dieses kritische Hinterfragen so ein bisschen geschult wird, aber eben spielerisch. Und nicht, dass es gleich wieder wie Schule wirkt, weil das wollten wir eben nicht. Wir haben mit den Jugendlichen gelötet, die haben sich Broschen oder Haarspangen oder so gelötet, die dann auch leuchten also und die haben alle zum ersten Mal diese ganzen Tools in der Hand gehabt. Und das war anfangs, wie gesagt, für viele eine Herausforderung. Aber das war so wichtig. Nimm es einfach mal in die Hand und probier und du kannst nichts falsch machen. Also das waren die wichtigen Inhalte, die rüberkommen sollten. Du kannst alles probieren und wenn du nicht möchtest, ist auch okay, dann machst du das nächste Thema mit. Also das war wichtig, einfach diese Wahlmöglichkeit zu lassen, dass es kein Zwang ist in irgendeiner Form. Ja.“

Milen Starke

„Sehr, sehr spannend. Und hattest du das Gefühl, dass das auch, es ist ja außerschulische Aktivitäten gewesen, dass sozusagen auch da von den Schulen, von den Schulträgern, da auch eine Offenheit da war, dieses Thema zu platzieren. Oder musstet ihr tatsächlich Überzeugungsarbeit leisten?“

Jennifer Neißer

„Das war über die Schulsozialarbeit erstaunlich leicht, weil die sowieso schon so einen guten Draht zur Schulleitung und zu den Schülerinnen haben. Und die waren da wirklich unser Bindeglied, sag ich mal, und die waren da Gold wert, weil die haben die meiste Arbeit geleistet. Einfach in der Kommunikation. Aber wir sind auch auf die Schulleitung zugegangen, waren da einmal auf der Schulleitungskonferenz oder ich weiß nicht mehr genau. Wir haben uns auf jeden Fall vorgestellt, haben mit allen den Kontakt gesucht und da waren auch alle sehr offen. Also es war durchweg alle begeistert und wir haben die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen, konnten die Computerräume nutzen. Also das lief wirklich sehr schön. Ja.“

Milen Starke

„Super. Und du hattest ja gesagt, dass das Projekt speziell auch für den ländlichen Raum ist, weil dort auch der Zugang teilweise eben auch zu entsprechenden Programmen oder eben auch der Zugang zu Technik nicht immer gegeben ist. Ich würde jetzt tatsächlich gar nicht sagen, dass das so ein Genderthema ist, sondern es ist wahrscheinlich grundsätzlich für Jugendliche schwierig, sozusagen im ländlichen Raum Zugang zu so etwas zu bekommen. Wie schätzt ihr das ein? Und gibt es da sozusagen auch Programme, wo alle Gender dabei sein können?“

Jennifer Neißer

„Genau das haben wir im Verlauf des Projekts tatsächlich auch festgestellt. Die Angebote richteten sich, weil es im Projekt einfach so angelegt war, an Jugendliche. Wir hatten aber dann auch die Fälle, dass Jungs vorbeikamen und gerne mitgemacht hätten. Und dann mussten wir einfach erklären, wir würden euch gerne was bieten. Aber in diesem Projektrahmen ist es nicht möglich. Und da haben wir dann gemerkt, dass alle dieses Defizit haben und haben dann auch versucht, denen klar zu machen, Also auch den Jugendlichen. Tragt eure Bedarfe doch einfach mal an die Lehrerinnen, an die Schulleitung, dass ihr auch gerne so ein Angebot hättet. Die Sache ist jetzt bezogen auf dieses Projekt wenn man das für alle öffnet, passiert wieder das, dass die Jungs alle gelaufen kommen. Und viele von den Mädels, die jetzt dabei waren. Da haben wir auch das Feedback von den Schulsozialarbeitern, den die würden da vielleicht gar nicht mehr kommen. Das haben wir ganz klar als Feedback erhalten. Das bedeutet, jetzt ist die Frage. Natürlich ist es auch wichtig, dass alle Zugang haben und dass die Jungs auch diese Angebote wahrnehmen können. Das bedeutet, das Problem ist gar nicht so sehr. Wir wollen nicht das spalten oder aufteilen, sondern da sind strukturell und infrastrukturell einfach die Defizite. Also die haben alle nicht genug Zeit, weil nicht genug Fachkräfte da sind. Es sind nicht genug Gelder da. Und so viele möchten sich da gerne engagieren. Aber am Ende sind es einfach die Ressourcen. Das bedeutet, wie gesagt, das Projekt war ja jetzt sehr auf Winter ausgerichtet und wir hatten nicht diesen Spielraum. Und jetzt ist die Frage aber für die Zukunft wie gestaltet man es, dass wirklich alle kommen? Weil wir können ja auch diese Stereotype so schnell auch nicht auflösen. Also am schönsten wäre es, wenn beide Projektarten bestehen könnten. Einmal spezifische Zielgruppen und einmal offen für alle, wo die Jungs ja auf jeden Fall kommen und willkommen sind. Und wenn dann sich die Mädels nach und nach trauen, auch in die anderen Angebote zu gehen, brauchen wir das vielleicht irgendwann gar nicht mehr. Das wäre so das Ideal in der idealen Welt, sag ich mal!“

Milen Starke

„Ja, das ist richtig, weil das ist ja durchaus auch immer der Kritikpunkt, wo man, wo man sagt, man fördert sozusagen jetzt speziell nur die Mädchen. Was passiert mit den Jungen? Haben wir nicht irgendwann dann sozusagen eigentlich eher eine Gap sozusagen, dass die Mädchen mehr gefördert werden als die Jungen. Und ist das nicht etwas, wo man jetzt schon gegensteuern müsste? Das ist ja immer so ein bisschen die Kritik, die auch an der einen oder anderen Stelle mitschwingt. Das heißt, das habt ihr im Blick und wollt sozusagen auch zukünftig wirklich inklusiv für alle Gender mit dabei sein, was ich tatsächlich auch sehr, sehr gut finde. Nichtsdestotrotz wissen wir schlicht und ergreifend, dass natürlich unsere Mädchen und da natürlich auch noch mal eine spezielle Betreuung benötigen. Und du hast sehr, sehr viel jetzt immer gesagt, sie haben sich nicht getraut. Das heißt, wir reden ja tatsächlich wirklich vom Thema Mut. Mutig sein und auch mal auszuprobieren, Was glaubst du denn, warum ist das so? Warum ist es in der Gesellschaft so verankert, dass sich Mädchen sozusagen diese Dinge nicht zutrauen?“

Jennifer Neißer

„Ich glaube, da funktioniert auch viel über. Also was so kleine Äußerungen da auch anrichten können. Wir hatten von den Teilnehmenden im Projekt Feedback, dass sie sich freuen, dass keine Jungs dabei sind, die nerven oder die sie beurteilen. Und auch aus eigener Erfahrung. Vielleicht, wenn man Fehler macht und jemand urteilt beim Ausprobieren schon darüber. Das machst du aber nicht gut, das kannst du doch gar nicht. Wenn man dann gesagt bekommt: Lass das doch mal lieber, weil du siehst doch, dass du es nicht kannst. Ich glaube, das kann lang oder nachhaltig mehr Schaden zufügen, als man als derjenige sich vielleicht dessen bewusst ist, der das gerade äußert.“

Milen Starke

„Was ja total verrückt ist. Wenn man sich Statistiken anschaut, ist es ja eigentlich, das vor allen Dingen auch Mädchen in den mathematisch naturwissenschaftlichen Fächern in der Schule meistens besser abschneiden als die Jungs. Wir wissen das. Ich sage mal in den fünfziger sechziger Jahren das Thema Computing zu neunzig Prozent von Frauen erledigt wurde. Bis dann irgendwann festgestellt wurde. Ach ja, damit kann man ja irgendwie Geld verdienen. Und dann gab es da sozusagen auch irgendwie einen Shift, weil es ja ein Thema der Machtposition ist. Und das finde ich tatsächlich ganz, ganz spannend. Auch wirklich, wenn man sich das historisch anschaut. Ich sag mal, wer hat den ersten Algorithmus geschrieben. Woher kommt der erste Computer, den wir jetzt sozusagen auch nutzen? Das sind natürlich alles auch vor allen Dingen female geprägte, weiblich geprägte Projekte gewesen. Was muss denn sich vielleicht auch im Schulalltag dahingehend ändern, weil ihr seid ja, ich sage mal, ein außerschulisches Projekt. Was muss jetzt getan werden? Damit wir das aber vielleicht gar nicht außerschulisch machen müssen, sondern innerhalb der Schule verankert haben?“

Jennifer Neißer

„Das ist natürlich eine Frage, die wir uns auch gestellt haben. Und das ist, glaube ich, nicht so einfach zu beantworten, weil diese Voraussetzungen, die wir schaffen konnten für Kinder, Jugendliche, ob die sich so eins zu eins in die Schule übertragen lassen, ist, weiß ich nicht, wie das funktioniert, weil das wäre ja wieder so eine Trennung, die wollen wir ja nicht. Wir wollen ja am Ende, dass alle zusammenarbeiten können. Da habe ich jetzt ehrlich gesagt keine Lösungsansätze parat, sondern die Arbeit mit den Jugendlichen kann natürlich dahin führen, wenn die sich mehr zutrauen. Wie gesagt, dass die dann im Schulalltag auch aufblühen und diese Trennung dann auch da nicht mehr so wichtig ist. Aber dieses stereotype Denken ist gerade noch so, das hat irgendwie auch noch mal so einen Boom bekommen. Das war mal weniger und jetzt ist es wieder so im Aufschwung und das erschwert das Ganze natürlich noch mal. Also für die Schule haben wir jetzt auch keine konkreten Ansätze. Tatsächlich gerade noch.“

Milen Starke

„Also es ist, glaube ich, an uns allen sozusagen, dass wir da versuchen, ein Umdenken zu etablieren. Also hier auch noch mal der Appell an alle jungen Mädchen: Go for it - machen, einfach machen. Aber lass uns vielleicht noch mal so ein bisschen gucken, was, was auch wir als Landesverwaltung oder vielleicht auch als Landesregierung tun können, um da sozusagen auch das ein oder andere in Bewegung zu setzen. Was würdest du dir denn wünschen, wenn du so ein paar Wünsche an uns frei hättest? Erzähl mal.“

Jennifer Neißer

„Die Erfahrung aus „Jugend hackt 2 go“ hat halt ganz klar gezeigt, dass diese sicheren Räume im Moment zumindest noch nötig sind. Und wenn es davon mehr gäbe. Also nicht nur an der Schule. Das muss ja nicht nur an der Schule sein, das kann ja in Jugendzentren sein, das kann an Bibliotheken sein, das machen ja schon viele Bibliotheken und das ist eben nicht so gespalten ist. Man kann ja einen Nachmittag für Jungs und nachmittags für Mädels und einen für beide und dann mal schauen, wo es hinführt. Aber dass diese Atmosphäre das Entscheidende ist, das ist gar nicht so wichtig, wo es stattfindet, Die Atmosphäre, dass es ein offenes Ausprobieren sein kann, das kann natürlich auch mit Jungs funktionieren. Es gibt ja diesen sogenannten Code of Conduct, also wenn man, wie man miteinander umgehen möchte, damit sich alle wohlfühlen und wenn das zum Beispiel in offenen Angeboten für alle etabliert werden könnte, dass die Jungs dann auch wissen, okay, es gibt diese Verhaltenskodex. Und weil wir brauchen alle unterschiedliche Dinge und unterschiedliche Umstände, damit wir uns wohlfühlen. Und wenn das gegenseitig respektiert wird, dann kann ich mir vorstellen, dass das auch gemeinsam funktionieren könnte. Genau hier wäre es wichtig, dann solche Angebote erst mal zu schaffen, zu etablieren und das Ganze dann aber auch zu verstetigen. Also das ist nicht ein Workshop passiert, mal irgendwo und dann ist wieder ewig nichts, sondern Angebote, die regelmäßig stattfinden, wo die Jugendlichen sich auch drauf verlassen können. Da kann ich jede Woche hingehen, kann an meinem Projekt kontinuierlich und langfristig weiterarbeiten und kann mich darauf verlassen, dass da jemand ist, mit dem ich reden kann, dass da Ansprechpersonen sind und dass eben das Umfeld so ist, dass ich mich wohlfühle. Das kann auch mit Jungs funktionieren, die wollen die ja nicht über einen Kamm scheren. Es gibt auch ganz tolle Jungs, also.“

Milen Starke

„Aber das müssen wir hier noch mal ganz klar herausstellen.“

Jennifer Neißer

„Auf jeden Fall.“

Milen Starke

„Also ich glaube, dass es das ist eben das Entscheidende, dass es gemeinschaftlich passiert, dass es inklusiv passiert, dass wir eben nicht nach Gender sozusagen irgendwann einteilen müssen, sondern dass es tatsächlich etwas ist, was für jeden, für jede in irgendeiner Art und Weise genutzt werden kann. Wir als Landesregierung gucken uns natürlich auch das Thema Medienbildung an, wir sind zum Beispiel auch mit der Thüringer Landesmedienanstalt und Jochen Fasco - hatte ich auch schon hier im Podcast - sind wir, fördern wir die strategische Medienbildung. Und wir haben uns natürlich auch angeschaut, wie kriegen wir es hin, Informatik, Technik, Medien mehr in den Lehrplan zu etablieren und sind jetzt mit das erste Bundesland gewesen dass das tatsächlich auch als Pflichtfach für die fünfte beziehungsweise sechste Klasse etabliert hat. Und das ist glaube ich auch etwas Notwendiges. Einfach zu sagen, es gehört zum Lehrplan dazu. Jeder jede bekommt sozusagen die gleiche Bildung von Anfang an und kann dann natürlich auch entsprechend dann im Nachgang im Arbeitsalltag die Dinge bearbeiten. Wenn wir aber tatsächlich mal in den Arbeitsalltag gucken ich komme mir auch so ein bisschen mit einer unternehmerischen Brille. Was müssten denn Unternehmen tun, um vielleicht auch ein Umfeld zu schaffen? Wir hatten ja so ein bisschen auch die Gap, die sozusagen vielleicht aus der Schule dann in die Ausbildung geht oder vielleicht noch mal ein Hochschulstudium nachschießt. Aber die, die dann tatsächlich on the job sozusagen im Bereich MINT landen. Das ist ja dann auch noch mal eine reduzierte, ein reduzierter Prozentsatz. Was müssten Unternehmen tun, um vielleicht auch mehr junge Mädchen und junge Frauen für einen MINT-Beruf sozusagen anzulocken?“

Jennifer Neißer

„Ich kann mir vorstellen, dass da Vorbilder sehr viel bewirken könnten. Also weibliche Vorbilder, die in dem Beruf schon Fuß gefasst haben und aber nahbar genug sind. Dass Jugendliche oder das junge Mädchen und Frauen, dass sie für die nicht zu weit weg sind. Weil wir haben festgestellt Vorbilder funktionieren sehr gut, wenn sie recht nah an der Lebensrealität dran sind, dass das nicht zu abgehoben ist und zu wenig erreichbar scheint. Und ich kann mir vorstellen, dass darüber, Also weiß ich nicht, ob das Imagefilme sein können. Aber wir haben zum Beispiel planen, so ein bisschen über das Thema Streaming Betriebe ein bisschen bekannter zu machen und auch Berufsfelder bekannter zu machen. Und da könnte man den Fokus tatsächlich auch auf eben diesen Bereich legen. Dass man da nicht immer die Herren nimmt und vor die Kamera setzt, sondern gezielt mal nach den Frauen sucht. Dass die als Vorbild einfach zeigen können Ich bin in dem Beruf, ich habe so und so weit geschafft, habe vielleicht sogar mein eigenes Unternehmen und das und dann auch die Erfahrungswerte einfach teilen, dass es nahbarer wird und dass die Jugendlichen dann sehen, wie toll das sein kann, weil es sehr viel, sehr abstrakt ist und man fast immer nur Männer sieht. Also vielleicht wäre das ein guter Ansatzpunkt.“

Milen Starke

„Machen wir, nehme ich, nehme ich als Impuls auf jeden Fall mit. Ich werde jetzt hier alle, alle weiblichen Mitarbeitenden zusammenholen. Und wir machen. Wir können das auch gerne zusammen machen. Ja. Sehr schön.“

Jennifer Neißer

„Ich bin dabei.“

Milen Starke

„Und wenn wir so ein bisschen jetzt auch in die Zukunft schauen: Was habt ihr denn bei Spawnpoint noch geplant? Was sind denn auch Projekte, wo man sich zukünftig bei euch mit engagieren kann?“

Jennifer Neißer

„Also wir haben in Planung. Wie gesagt, dieses Streamingprojekt wäre was, was uns sehr am Herzen liegt, dass wir einfach diese Berufsfelder aufzeigen und so dieses digitale mit dem klassischen Handwerk zusammenbringen können. Dann gibt es ein Konzept für mobile Makerspaces im ländlichen Raum, die aber dann als Zielgruppe eher die Erwachsenen hat, auch wenn die sich so einschätzen, als wüssten sie ein bisschen mehr oder ein bisschen mehr drin als die Jugendlichen, sage ich mal, ist da immer Bedarf. Und das eben so, so Pop-up-Makerspaces entstehen für ein paar Wochen und man sich da einfach ausprobieren kann, die aber dann in Kooperation vor Ort mit Netzwerkarbeit verstetigt werden sollen. Dass das so der erste Anreiz ist, weil oft reicht so ein kleiner Impuls, dass Bibliotheken oder auch Jugendhäuser oder so dann aufspringen und da mitmachen wollen. Dann gibt es das Konzept eines sogenannten OER Cubes. Das bedeutet, wir wollen ein kleines Modell entwickeln, auf dem für die Jugendarbeit auch wieder Programme in einer sicheren Umgebung laufen können. Zum Beispiel wenn Chatverläufe simuliert werden sollen, dass das nicht in den gängigen Tools passieren muss, die alle mit dem Internet verbunden sind, sondern es ist ein geschützter Rahmen, wo keinerlei Daten irgendwo hingeschickt werden, wo man sich nicht anmelden muss. Also so eine Umgebung, wo man einfach viel ausprobieren kann. Ein Vorhaben auf lange Sicht ist auch die Skalierung von „Jugend hackt 2 go“, weil das eben so erfolgreich war. Und wir haben zum Beispiel im letzten Jahr auf dem Fachtag der Fachstelle Schulsozialarbeit sehr viele Bedarfe feststellen können, weil in ganz Thüringen alle am liebsten sofort uns bestellt hätten, dass wir vorbeikommen. Und deshalb möchten wir das auch auf ganz Thüringen skalieren, um einfach mehr Schulen und mehr Jugendliche und auch mehr Fachkräfte zu erreichen. Das wäre auf lange Sicht auch, weil diese Verstetigung dieser Erkenntnis, die wir jetzt gewonnen haben, und auch diese Materialien, die wir entwickelt haben, das ist das Wichtige, weil es einfach nicht verpuffen soll.“

Milen Starke

„Also viel zu tun bei euch. Und ich muss wirklich sagen, ich kannte euch vorher noch nicht. Das ist so ein Institut in Thüringen gibt, die auch genau solche Themen in den Fokus nehmen. Also Hut ab vor eurer Arbeit! Vielen lieben Dank! Ich weiß auch, dass ganz viele Ehrenamtliche im Hintergrund mitarbeiten, um die Projekte auch umzusetzen. Also auch da wirklich noch mal ein virtueller Applaus an alle, die da im Hintergrund überhaupt erst möglich machen, dass so etwas entsteht. Und ich würde sagen, wir haben heute viel gelernt. Und an alle Zuhörerinnen. Noch mal der große Appell: Wirklich, Seid mutig, geht in die Welt, probiert euch aus. Und vielleicht finden wir dann die ein oder andere von euch dann auch bei uns im MINT-Bereich. Vielen lieben Dank, Jennifer, dass du bei uns warst und wir hören uns beim nächsten Mal.“

Jennifer Neißer

„Danke für die Einladung nochmal.“

Outro

„Bits und Bratwurst. Der Podcast für dein Upgrade in Thüringen ist eine Kooperation des Thüringer Ministeriums für Digitales und Infrastruktur und der Digitalagentur Thüringen. Alle Folgen findest du auf den gängigen Streamingplattformen.“

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