Zwischen Glasfaser und Grillrost

Shownotes

Weitere Informationen zu den Projekten der Landesregierung findest Du hier: https://digitales-infrastruktur.thueringen.de/

Entdecke unsere interaktive Thüringen-Karte mit spannenden Digitalprojekten: https://thueringen-digital.de/digital-erleben

"BIts & Bratwurst" ist ein gemeinsames Projekt des Thüringer Ministeriums für Digitales und Infrastruktur und der Digitalagentur Thüringen GmbH.

Für Fragen und Anregungen schreiben Sie bitte eine E-Mail an info@thueringen-digital.de.

Transkript anzeigen

Intro

Sprecher:

„Bits und Bratwurst. Dein Upgrade für Thüringen mit Steffen Schütz und Milen Starke.“

Gespräch

Milen Starke:

„Herzlich willkommen zur allerersten Folge unseres Digitalpodcast „Bits und Bratwurst“. Ich bin Milen Starke, Staatssekretärin im Digitalisierungsministerium und Landes-CIO und neben mir sitzt ein wundervoller Kollege.“

Steffen Schütz:

„Jetzt bin ich ein bisschen aufgeregt. Mein Name ist Steffen Schütz, ich bin Thüringer Minister für Digitales und Infrastruktur. Ich glaube die Nerds wissen alle, was ein CIO ist. Aber ich glaube, für die anderen musst du es bitte nochmal erklären.

Milen Starke:

„Ja, da hast du recht. Der Begriff CIO bedeutet „Chief Information Officer“ und heißt nichts anderes, als dass wir uns mit den Themen Information und Technologie beschäftigen und wie wir zukünftig die Digitalisierung in Thüringen voranbringen wollen. Und das ist auch genau das Ziel unseres Podcasts. Wir wollen die Themen, wie du gerade schon richtig gesagt hast, so runterbrechen und diskutieren, dass jeder auch versteht, von was wir reden.“

Steffen Schütz:

„Dass die Leute vielleicht auch mal mit uns ins Gespräch kommen können. Wir senden ja immer. Ich komme ursprünglich mal aus der Kommunikationsbranche und da ist es bestenfalls so, wenn du nicht nur einen Sender hast, sondern auch einen Empfänger. Kommunikation lebt ja bekanntlich auch von Feedback. Insofern wäre das ganz toll, wenn die eine oder der andere darauf auch reagieren würde und uns Fragen zuschickt oder uns auch mal sagt, wenn wir irgendwas Komisches erzählen, was die Leute vielleicht nicht verstehen oder zu viele Anglizismen verwenden oder einfach ausgedrückt: Gebt uns Feedback!“

Milen Starke:

„Sehr gut, lass uns vielleicht jetzt mal ein bisschen rein starten. Du bist jetzt ein Jahr, de facto, im Amt. Noch ein bisschen länger.

Steffen Schütz:

„Ja.“

Milen Starke:

„Was ist denn dein Feedback bisher?“

Steffen Schütz:

„Ich bin total glücklich. Ich bin wirklich glücklich und ich muss das immer erklären, wenn mich Leute fragen. Bei Politikern denkt man ja immer: Alles ganz schrecklich und alles ganz schlimm. Nein. Ich war vorher Unternehmer und bin als Unternehmer in die Politik gegangen, weil mich das tierisch genervt hat, dass Politik häufig von Dingen berichtet und mir als Unternehmer erzählt hat, von denen sie gefühlt nicht so richtig Ahnung hatte. Ich glaube, dass die meisten Politiker, und ich meine das nicht als Politiker-Bashing, aber ich kenne ganz viele Politiker, die, wenn ich sie frage, übrigens nicht in Thüringen, da ist es ein bisschen anders. Aber wenn ich sie frage, „Was ist eine BWA?“, da wird es dann schon schwer. Ja und deswegen kann ich nur sagen: was die Digitalisierung betrifft, finde ich, sind wir echt auf einem guten Weg. Ich muss gestehen, und du wirst mir wahrscheinlich widersprechen, als ich ins Amt kam, habe ich gedacht, das ist das dickste Brett was du hast. Jetzt merke ich gerade, sozialer Wohnungsbau, mindestens ebenbürtig, wenn nicht mehr. Und ja, was uns gerade unheimlich in die Hände spielt, obwohl es eigentlich auf der Agenda sich wirklich nicht gut macht, ist dieser Verrückte in Washington und dieser ebenso Verrückte in Moskau, die zeigen uns einfach als Deutsche und auch als Europäer, dass wir digital nicht dieselben Fehler machen sollten wie in der Energie.

Milen Starke:

„Unabhängigkeit.“

Steffen Schütz:

„Das ist mein Feedback.“

Milen Starke:

„Finde ich sehr, sehr gut. Ich kann das auch bestätigen an der Stelle. Und ich werde immer sehr, sehr oft gefragt: „Was waren denn meine Vorbehalte gegenüber der Verwaltung?“ Man hat ja auch immer so ein gewisses Bild von der Verwaltung vor Augen gehabt. Da muss ich tatsächlich sagen, da hat mich das Ministerium auch eines Besseren belehrt. Ich habe wirklich Kollegen getroffen, die richtig Bock haben, vor allem im Bereich der Digitalisierung, Dinge um zu setzen.“

Steffen Schütz:

„Das kann ich nur bestätigen. Das ist bei mir auch so, habe ich auch nicht gedacht. Am Anfang habe ich gedacht, die lassen dich wahrscheinlich gepflegt kalt abtropfen. So nach dem Motto: „Ist mir doch egal, wer unter mir Minister ist.“ Aber ich habe das Gefühl, dass da ein Team ist, dass da Leute sind, die auch wirklich Lust haben. Und ehrlich gesagt, wenn ich den Kabinettstisch sehe, also meine Kolleginnen und Kollegen in der Landesregierung, muss ich sagen, wir haben einen Ministerpräsidenten, der wirklich digital unterwegs ist, und zwar nicht nur einer, der alles weiß, sondern der auch fragt. Das finde ich echt cool. Mit dem ich mich aber auch trefflich streiten kann. Das kennst du. Doch wir haben immer das Gefühl, wir tun das für Thüringen und wir suchen nach der besten Lösung. Das ist optimalerweise das, was Politik machen sollte. Und zum anderen ist es so, wenn ich in die Digitalministerkonferenz gucke und ich mache ja - genauso wichtig - Bauen, Wohnen und Verkehr, da habe ich das Gefühl, die Digitalministerkonferenz, das sind immer die Coolen. Deswegen fühle ich mich da ganz wohl. Ich habe das Gefühl, die haben alle verstanden, worum es geht, ja nicht nur, worum es geht, sondern dass wir endlich rauskommen aus dieser Lethargie, wo alles irgendwie beschwerlich ist und in den Behörden irgendwie so der Amtsschimmel wiehert und wir das Gefühl haben, es geht nichts voran. Das finde ich cool. Das war genau das, was ich machen wollte. Und insofern bin ich auch glücklich, dass ich das machen darf.

Milen Starke:

„Sehr schön. Und für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen dann gleich noch ein kleiner Werbeblock. Wir haben durchaus auch noch einige Stellenausschreibungen offen. Also wie gesagt, für unsere Zuhörer und Zuhörerinnen, falls Sie in das Team Thüringen, zu „den Coolen“ kommen wollen, schaut doch gerne mal auf unserer Website, TMDI.info, vorbei.“

Steffen Schütz:

„Unbedingt. Ich nur sagen: „Wir sind nicht nur für coole Lösungen, für souveräne Lösungen, sondern auch für im Kopf junggebliebene Leute.“

Milen Starke:

„Super. Und bevor wir vielleicht auch so ein bisschen in die Zukunft gucken, was vielleicht auch 2026 für uns ansteht: Gab es einen ganz besonderen Moment im letzten Jahr, wo du sagst, der ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben und da bin ich ganz besonders stolz drauf?“

Steffen Schütz:

„Ja, da gab es mehrere. Aber einer war natürlich, als du in Berlin warst und die Thüringer Verwaltungscloud mit dem zweiten Platz ausgezeichnet worden ist. Das ist für mich eine ganz bahnbrechende Geschichte gewesen, weil, als ich mein Amt übernommen habe, das habe ich ja sozusagen ein halbes Jahr vor dir gemacht, war es bei mir tatsächlich so, dass Thüringen eigentlich digital auf der Landkarte der Bundesrepublik Deutschland ein weißer Fleck war. Nahezu. Was nicht heißt, dass die vor uns waren alle doof waren und keine Ahnung hatten. Aber strukturell haben wir natürlich mit dem Ministerium ein paar Weichen gestellt, und ich glaube, da sind wir auf dem richtigen Weg. Das bedeutet Souveränität. Das ist das Thema der Stunde, dass wir zum Beispiel nicht länger abhängig sind von US-Konzernen oder dass wir nicht anfällig sind gegen Angriffe. Und du weißt, 2 Millionen pro Jahr ist schon ein Hammer.“

Milen Starke:

„Das ist definitiv ein Hammer. Und weil du unsere Thüringer Verwaltungscloud eben angesprochen hast, vielleicht noch ein paar Infos an unsere Zuhörer, damit sie sozusagen auch wissen, was ist das denn überhaupt? Wir wollen ja hier auch ein bisschen erklären in unserem Podcast. Unsere Verwaltungscloud ist, wie du schon richtig sagst, unabhängig und souverän aufgebaut. Was heißt denn Souveränität? Um vielleicht auch das mal zu definieren? Für uns heißt das, dass wir unabhängig sind in der Infrastruktur, in unseren Daten, wie unsere Daten genutzt werden und dass wir uns eben auch unabhängig machen in der Nutzung von diesen Technologien. Du hast gerade auch schon die US-Anbieter genannt. Genau das haben wir in unserer Verwaltungscloud gemacht. Wir haben sie vor allen Dingen auf Open Source Technologie aufgebaut und genau das wurde entsprechend mit dem Preis honoriert. Und da können wir wirklich sagen, dass wir in Thüringen Vorreiter sind. Neben Schleswig-Holstein sind wir damit die, die aktiv sind und wir sehen es ja auch gerade. In Bayern ist eine sehr interessante Diskussion entstanden, wo eben auch jetzt geprüft wird, ob man die großen Microsoft-Verträge noch verlängert oder doch vielleicht noch einmal hinterfragt, ob das wirklich die Zukunft sein soll.“

Steffen Schütz:

„Ich tue das auch. Ich habe heute mit dem bayerischen Kollegen telefoniert und habe ihm gesagt: Bleib stark. Weil ich wirklich finde, wir haben allen Grund, die Augen aufzumachen, was in der Welt passiert. Und wir müssen einfach damit leben, dass die Gewissheiten, mit denen wir groß geworden sind, dass die Amis irgendwie an unserer Seite sind, nicht so gewiss sind. - Wobei, ich bin da ehrlich gesagt schon immer anderer Ansicht gewesen. Ich bin so oft in Amerika gewesen, dass ich das Land ganz gut kenne und ich habe ein feines Gefühl dafür, ob jemand was aus Business-Erwägungen macht, was okay ist, oder aus Freundschaft. Ich habe da immer mehr Business gesehen. Das ist wie gesagt okay. - Aber in diesem Fall ist es einfach so, wenn wir jetzt nicht aufwachen, dann gibt es ein böses Erwachen.“

Milen Starke:

„Wenn wir vielleicht ein bisschen in dieses Jahr hineinschauen. Hast du ein Projekt im Kopf, wo du sagst: Da legen wir gerade ganz besonders den Fokus drauf?“

Steffen Schütz:

„Ganz viele. Das ist ja eigentlich das Schräge. Egal welches Thema du nimmst - ÖPNV, Wohnen, Digitalisierung, das sind immer ganz viele Themen, Termine und Gespräche. Du musst natürlich priorisieren und deshalb machen wir ja auch diesen Podcast: Um aufzuklären, um zu sagen, was ist denn unsere Priorität? Und meine ist im Moment ganz klar, eigentlich sind es zwei. Das erste ist die Digitalisierung der Bauverwaltung, weil ich glaube - ich habe ja jetzt vor kurzem das Baupaket im Landtag und im Kabinett vorgestellt – dass das Baupaket schnelleres Bauen, einfacheres Bauen, digitales Bauen bedeutet. Das heißt, ich brauche eine digitale Bauverwaltung in Thüringen und ich möchte, dass die Thüringerinnen und Thüringer den Bauantrag wirklich digital stellen können und dass sie auch sicher sein können, dass das Ding dann auch wirklich schneller bearbeitet wird. Das dauert mir einfach viel zu lange. Und deshalb glaube ich, setzen wir da an der richtigen Stelle an, weil Bauen heißt auch Konjunktur, heißt Aufträge. Und wenn man weiß, dass in Thüringen 95 % Mittelstand ist, dann verstehe ich, ich war ja selber Mittelständler, dass die Leute sagen: „Wann geht es denn jetzt nun endlich los mit den Bauaufträgen?“ Die zweite Prio ist natürlich ganz klar die Thüringen-App. Ich möchte ganz gerne, dass wir eine App rausbringen, die auch meine Mutter bedienen kann. Nicht weil meine Mutter der Maßstab ist, aber ich finde, wenn sie sie bedienen kann, dann habe ich ein gutes Gefühl, weil sie eben nicht so affin ist, wie ich und weil sie aber trotzdem die Verwaltung in der Handtasche haben soll. Und das heißt, dass wir so eine Art Marktplatz haben, wo ich ganz viele verschiedene Serviceleistungen abrufen kann. Die muss ich nicht alle abrufen. Aber dass ich sie erst mal abrufen kann oder das, was du immer meinst mit proaktiv in der Digitalisierung, dass ich es irgendwann mal endlich hinkriege, dass mir jemand schreibt: „Hallo Herr Schütz, dein Personalausweis müsste jetzt mal upgedatet werden. Siehst du noch so aus wie letztes Jahr?“ Das kann doch nicht sein, dass die Banken das hinkriegen. Und wir als Verwaltung kriegen das nicht hin. Und ich glaube, das müssen wir dieses Jahr echt auf die Reihe kriegen. Es wird sicherlich eine Grundstufe geben und dann werden wir im nächsten Jahr ausbauen. Aber dieses digitale Tool, dass Leute wirklich merken, es ändert sich was, das Leben wird leichter.Und vor allen Dingen, was wir ja auch noch machen, ist ja mein „FDJ“. Ich habe da ganz schlimme Erfahrungen gemacht. Aber jetzt besetzen wir das ja neu mit „freiwilliges digitales Jahr“.“

Milen Starke:

„Wir haben es „FSJ digital“ getauft.“

Steffen Schütz:

„Nenn es, wie du willst, aber ich finde, wenn junge Leute Bock haben, das allen Menschen zu erklären und Projekte aufsetzen und wir von deren Ideen profitieren können, dann finde ich, machen wir als Politik was richtig und stellen uns anders auf, denken auch mal Dinge neu. Gar nicht immer irgendwie mit Förderkulissen und was es da alles gibt. Ich finde sowieso, dass wir unsere Bildung, auch die Erwachsenenbildung, dringend reformieren müssen. Das hat auch Prio, weil wir eben bei Prios waren. Ich finde es merkwürdig, um nicht zu sagen eigentlich absurd, wenn mir Leute sagen, digitale Bildung besteht bei ihnen aus acht Stunden Powerpoint und acht Stunden Excel.“

Milen Starke:

„Dann wird es ein bisschen schwierig.“

Steffen Schütz:

„Ja, unmöglich würde ich sagen. Und dann finde ich ja, dass wir tatsächlich auch über das Thema KI reden müssen.“

Milen Starke:

„Ja, unbedingt. Das ist ja das „Buzzword“ unserer Zeit. KI, KI, KI, man kommt nicht mehr dran vorbei.“

Steffen Schütz:

„What is a Buzzword? Also ich glaube mal, nichts gegen „Mengersgereuth-Hämmern“, aber das sollten wir vielleicht erklären.“

Milen Starke:

„Buzzword - Das ist einfach ein Wort, was natürlich jetzt gerade in unserem Wortschatz Einzug gehalten hat. Da sind wir wieder beim Anglizismus, da kommen wir heute nicht mehr raus. Einfach was Plakatives, das wirklich genutzt wird, um ja, ich sage mal, Automatismen zu beschreiben, Prozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen. Und das sind wir ja jetzt auch sehr gut unterwegs. Wir werden im nächsten Digitalkabinett unsere KI-Strategie fürs Land vorstellen, wie wir zukünftig in der Landesverwaltung mit KI die Prozesse beschleunigen wollen, weil schlussendlich es geht nicht um den Selbstzweck, sondern wir wollen ja wirklich Prozesse beschleunigen, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Leistung schneller bekommen oder Verwaltungsdienstleistungen auch verfügbarer sind. Und ich glaube, da sind wir meines Erachtens auch schon ganz gut aufgestellt. Wir pilotieren gerade eine KI, eine Verwaltungs-KI, die kommt aus Baden-Württemberg und ist auch auf Open Source Komponenten aufgebaut. Da haben wir wieder den Anglizismus, was bedeutet, sie ist auf einem offenen Code aufgebaut. Wir wissen, was passiert. Der Algorithmus steht uns sozusagen zur Verfügung und das ist ja auch das, was sehr, sehr oft mit Argwohn betrachtet wird. Oh Gott, was macht denn die KI mit meinen Daten? Hier haben wir wirklich die Möglichkeit, auch dem Algorithmus ganz klar mitzugeben, was er machen soll und was er eben nicht machen soll. Und können auch sicher sein, dass die Daten, die vom Algorithmus dann benutzt werden, auch wirklich nur dafür genutzt werden und nicht für irgendwas anderes.“

Steffen Schütz:

„Da habe ich gleich eine Idee, ein bisschen Open Source, weil ich glaube, dass viele Leute das nicht wissen, was das ist. Im Prinzip ist es ja nichts anderes als, dass man den Bauplan der Software quasi öffentlich macht. Man weiß, zu Risiken und Nebenwirkungen wissen wir genau Bescheid. Was steckt in dieser Software drin? Und deswegen würde ich vorschlagen - da wir diesen Podcast ja weiterführen wollen - dass die Leute uns auch gerne schreiben dürfen, wenn sie wollen. Welche Fragen habt ihr? Was beschäftigt euch? Sind wir auf dem richtigen Weg mit Open Source oder wie denkt ihr darüber? Sollen wir lieber Microsoft? Ja. Sollen wir lieber Lösungen von der Stange nehmen, weil sie einfach erprobt sind? Weil sie berechenbar sind? Zumindest was den Preis betrifft? Oder was haltet ihr von Open Source? Das würde mich echt interessieren.“

Milen Starke:

„Finde ich eine gute Idee. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ganz klaren Aufruf von unserem Digitalminister. Finden wir Open Source gut, ja oder nein? Und trägt es auch zu unserer digitalen Souveränität bei? Ja oder nein?“

Steffen Schütz:

„Ehrlich gesagt, ich will ja jetzt nicht die Antwort vorgeben, aber ich finde ja, ich glaube, wir brauchen beides. Weil wenn wir tatsächlich nur auf Open Source setzen würden, dann hätte der Mittelstand in Thüringen, glaube ich, ein Problem, weil viele Softwarelösungen einfach auf marktüblichen Produkten beruhen. Deswegen müssen wir genau hingucken. Aber dafür gibt es ja dann auch unsere Verwaltungscloud. Und das, finde ich, ist eigentlich der Schlüssel. Das ist eigentlich ein cooles Konzept, wenn du beides hast.“

Milen Starke:

„Ist richtig, also mein Ansatz an der Stelle ist immer Open Source, also sprich offene Technologie, offener Code. Da, wo es wirtschaftlich und technologisch auch sinnvoll ist, weil alles andere ist dann eher eine Ideologie und da kann man sich schnell verrennen und es wird dann wirtschaftlich und technologisch eigentlich sinnlos. Und ich glaube, wo wir uns auch klar darüber sein müssen, ist, dass wir niemals zu einer 100-prozentigen Souveränität kommen werden. Einfach aus dem Grund heraus, dass diese Lieferkette, die wir in der Digitalisierung haben, gar nicht alles aus europäischer oder deutscher Hand kommen kann. Zum aktuellen Zeitpunkt. Da muss man in Zukunft, und das ist ja auch eine Initiative, die ja gerade auch aus Frankreich und Deutschland kommt, dass wir versuchen, diese Lieferkette, das heißt Hardware-Komponenten, Software-Komponenten, dass die irgendwann hoffentlich dann auch wirklich komplett aus europäischer und deutscher Hand kommen.“

Steffen Schütz:

„Richtig. Und was in meinem Kopf da noch herumschwirrt, ist der Ernstfall und ich will da weiß Gott keine Angst machen. Ich habe ja lange in Berlin gelebt. Wer sich das angeguckt hat, was neulich in Berlin passiert ist, dass komplette Netze ausgefallen sind, weil sie am Strom hängen, was das auslöst. Also ich habe heute mit einem Kollegen gesprochen, der mir erzählt hat, das hat eigentlich für noch mehr Verunsicherung gesorgt als die Tatsache, dass kein Essen mehr im Kühlschrank war. Das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich finde das ein bisschen überzogen, aber es beschreibt vielleicht ganz gut die Richtung. Was mich noch mehr umtreibt, ist, was wir mit diesem Richter vom EuGH, dem Europäischen Gerichtshof gesehen haben. Dass die USA zum Beispiel einfach sagt: „Nein, der kommt nicht mehr rein.“ „Okay“, könnte man sagen, dann fährt er eben woanders hin. Aber dass zum Beispiel seine Kreditkartendaten einfach mal gesperrt worden sind und er keine Möglichkeit mehr hat, bei Amazon einzukaufen oder sonst wo. Amazon an sich wäre schon ein Unding, aber er kann nirgendswo mehr einkaufen, weil die Kreditkarten alle nicht mehr funktionieren. Und das finde ich, das darf uns nicht passieren und da brauchen wir vor allen Dingen auch einen Dialog mit den Menschen, weil ich glaube, dass viele ganz, ganz viel Angst haben vor Digitalisierung. Und immer, wenn ich draußen bin, sagen sie: „KI und ihr wollt uns das Geld wegnehmen.“, Da wird viel in einen Topf geworfen. Ich glaube, mit so einem Podcast und auch, indem wir rausgehen und mit den Leuten sprechen, müssen wir das auflösen.“

Milen Starke:

„Ich glaube, dass das Thema ist, wirklich Akzeptanz zu schaffen, Akzeptanz auch für die digitalen Lösungen schaffen. Und du hast das gerade richtig angesprochen. Ich glaube, der Dialog fehlt aktuell noch und die Transparenz vor allen Dingen. Was machen wir denn hier überhaupt den ganzen Tag?“

Steffen Schütz:

„Ja, weil das auch keiner versteht. Ich verstehe das ja auch nicht, warum ich jedes Mal, wenn ich irgendwas beantrage oder wenn ich irgendwie irgendwas digital mache, ich jedes Mal meine Daten eingeben muss. Und dann frage ich mich natürlich, was machen die damit eigentlich? Wenn ich aber das Gefühl habe, dass ein Staat, in dem Fall der Freistaat, meine Daten einmal erhebt und alle drauf zugreifen können und die Prozesse auch mal nicht nur einfach digitalisiert werden, sondern es fragt sich auch mal jemand, ob dieses Ding überhaupt Sinn macht und ob wir das wirklich so brauchen. Dann, glaube ich, weckt das Vertrauen. Da müssen wir hin.“

Milen Starke:

„Da bin ich total bei dir und unser Antragssystem, wenn wir uns angucken, wie viele Behördenleistungen denn in Thüringen schon digital sind. Wenn man mal so ein paar Zahlen droppt. Wir sind aktuell auf Platz vier im Bundesvergleich, das heißt wir haben über 1.200 Verwaltungs- und Dienstleistungen, die jetzt schon digital sind. Nur die meisten kennen sie leider gar nicht. Sie wissen das gar nicht. Und das System, was dahinter liegt, ist das sogenannte Tafelsystem. Ich weiß, dir gefällt der Name nicht so richtig.“

Steffen Schütz:

„Tafel, da denke ich immer an Schule. Boring.“

Milen Starke:

„Boring - wieder ein Anglizismus. Das zieht sich durch die Folge. Wir können uns mal die Challenge setzen, ob wir die nächste Podcastfolge ohne Anglizismen machen?“

Steffen Schütz:

„Ja oder 5 € ins Phrasenschwein und das machen wir dann für einen guten Zweck.“

Milen Starke:

„Die Idee finde ich richtig gut. Okay, in der nächsten Podcastfolge steht hier ein kleines Schwein. Sehr gut. Und genau dieses Antragsverfahren, wie gesagt, 1200 Leistungen, die sind über unseren sogenannten „Zu-Fi“ - unserem Zuständigkeitsfinder zu finden. Das ist, glaube ich, auch noch mal etwas wo wir auch dann die Thüringen-App nutzen wollen, dass das transparenter wird, dass die Thüringerinnen und Thüringer überhaupt wissen, dass es das schon gibt und dass es natürlich auch die Kommunen einfacher haben, diese Antragsprozesse sozusagen auch in ihren eigenen Verwaltungsprozess zu integrieren.“

Steffen Schütz:

„Das klingt alles sehr technisch. Mach mal ein Beispiel, bitte.“

Milen Starke:

„Ich mach ein Beispiel: Das heißt, ich habe die Möglichkeit, aktuell tatsächlich meine Wohnsitzanmeldung schon komplett digital durchzuführen. Das ist die elektronische Wohnanmeldung, „EWA“ genannt. Total spannend.“

Steffen Schütz:

„Oh Gott. Wir immer mit unseren Abkürzungen wieder.“

Milen Starke:

„Du kannst gleich noch deine Anekdote zu den Abkürzungen machen. Ich bin gleich gespannt.“

Steffen Schütz:

„Du meinst BTM und KTM, ich liebe es.“

Milen Starke:

„Ich mache erst mal weiter, bei der „EWA“. Wir haben aktuell wirklich schon die Möglichkeit, die elektronische Wohnsitzanmeldung komplett digital durchzuführen. Das heißt, ich muss de facto nicht mehr ins Amt und ich kenne das noch. Ich war im Studium mal nicht in Thüringen und musste mich irgendwann mal wieder hier anmelden, bis man den Termin bekommt und dann die Bescheinigung hat… Das geht heutzutage digital und ist in fast allen Kommunen in Thüringen schon verfügbar.“

Steffen Schütz:

„Ich habe mal, hatte ich ja schon erzählt, lange in Berlin gelebt und ich weiß, vielleicht sollte ich es nicht sagen, aber ich habe mein Auto gekauft und habe das in Eisenach zugelassen, bei meiner Mutter, weil man dort ganz schnell einen Termin kriegte und habe das quasi auf sie zugelassen, damit ich ein Kennzeichen kriegte. Weil in Berlin hätte ich dafür, glaube ich, zehn, elf Wochen gebraucht. Total irre. Es ist wirklich schräg.“

Milen Starke:

„Und dafür gibt es auch schon eine Verwaltungsleistung die digital ist - das eKfz.“

Steffen Schütz:

„Ich fände es sehr gut, wenn wir irgendwann mal einen digitalen Personalausweis haben und der digitale Fahrzeugschein wäre auch mal schön.“

Milen Starke:

„Aber der kommt sogar.“

Steffen Schütz:

„Ja, sagen sie ja alle. Ich bin sicher, wir werden das sehen. Wir werden das auch ganz schnell sehen. Aber wir müssen auch hingucken. Abkürzungen wie EWA sind der Wahnsinn. Das ist aber auch so ein Verwaltungsding. Und jetzt die Geschichte, ich habe schon überlegt irgendwann werde ich ein Buch schreiben aus den Niederungen der Verwaltung. Die Geschichte also, ich kriege ja jeden Morgen so eine Mappe, so eine Tagesmappe und da stehen ganz viele Termine drin und da stand irgendein Termin drin und ich habe mich gewundert, warum der Fahrer nicht kommt. Ich war dann auch schon ein bisschen angefressen, weil der eigentlich immer pünktlich ist und dann dachte ich, könnte es doch wenigstens absagen oder irgendwie sagen, „Wann komme ich denn jetzt?“ Und dann kam er endlich eine halbe Stunde zu spät. Dann habe ich gesagt: „Na, jetzt wird es aber Zeit, jetzt wird's drängend.“ Und dann sagt er: „Wieso, wir haben doch KTM.“, „Und das heißt was? Was tun wir?“ In dieser Tagesmappe steht im Kalender unter diesem Tagesordnungspunkt „KTM“. Und das bedeutet so viel wie „keine Teilnahme Minister“. Und seitdem verwenden wir „KTM“ und „BTM“, „bitte Teilnahme Minister“ und „keine Teilnahme Minister“. Ja, ja. Alles schräg.“

Milen Starke:

„Total schräg.“

Steffen Schütz:

„Aber das sind die ThAVEL., EWA.“

Milen Starke:

„Wir machen mal so eine Liste. Mal gucken. Und am Ende dann ein Abkürzungs-Bingo! Ja, und dann sind wir genau bei diesen ganzen Begriffen und bei den ganzen Portalen. Und am Ende geht es ja trotzdem darum, auch die Leute mitzunehmen, die vielleicht nicht digital werden. Wir wissen ja auch, 10% der Gesellschaft sind aus Gründen nicht digital oder die vielleicht auch selbst nicht können oder nicht wollen. Und dafür haben wir natürlich auch verschiedene Dinge etabliert. Unsere Behördennummer zum Beispiel, die 115, ist schlicht und ergreifend wirklich eine Hotline, wo jeder und jede anrufen kann und sich schlicht und ergreifend darüber beraten lassen kann, was für Verwaltungsleistungen gerade angeboten werden.“

Steffen Schütz:

„Und das finde ich richtig cool. Ich glaube tatsächlich, dass es ein Recht auf analoges Leben gibt. Und ich finde, wir sollten das auch hochhalten, weil wir nicht von jedem und jeder verlangen können, dass sie alle hier schreien. Wenn es gilt, zu Risiken und Nebenwirkungen, aber auch zu Chancen und Möglichkeiten. Fragen Sie Ihren Digitalminister oder Ihre CIO. Und ich fände es ganz gut, wenn wir mit den Menschen wirklich ins Gespräch kommen, weil wie gesagt, ich merke einfach, dass es Leute gibt, die mir sagen: „Wir haben da Angst, wir haben da Besorgnisse.“ Und ich glaube, dass wir als Politik das reflektieren müssen. Wir dürfen da nicht drüber weggehen, davon hängt einfach ab, ob es wirklich vorwärts geht.“

Milen Starke:

„Sehe ich auch so. Was wäre denn ein Thema, dem du in diesem Jahr begegnen willst? Gibt es da ein Projekt oder eine Initiative, wo du sagst, das ist etwas, da gehst du zukünftig rein, um vielleicht auch die Angst zu nehmen?“

Steffen Schütz:

„Eine Geschichte ist das, was wir gerade machen. Aber das kommt natürlich vor allen Dingen bei den Digitalen erst mal an, ich möchte natürlich auch die nicht Digitalen erreichen. Ich finde es zum Beispiel richtig spannend, was in Jena passiert oder die Bürgerinitiativen in Mühlhausen, in Eisenach. Überall gibt es solche Bürgerläden, wo du dich digital weiterbilden kannst. Die würde ich gerne unterstützen. Da würde ich auch gerne hingehen.“

Milen Starke:

„In Jena heißt der übrigens „Probierladen“. Sehr, sehr, sehr spannend.“

Steffen Schütz:

„Ja, in Mühlhausen, muss ich sagen, war ich neulich mal, hab mir das angeschaut, hab mit den Leuten geredet. Ich finde das ist richtig klasse. Mit welcher Leidenschaft die das auch tun. Ich finde es ja immer furchtbar, wenn es so vor sich hin tröpfelt. Also entweder machst du was, dann machst du das richtig oder du machst es gar nicht. Die machen es richtig und deswegen brauchen sie Unterstützung. Und ich glaube, es wäre gut, wenn wir tatsächlich eine Veranstaltungsreihe haben. Die will ich gerne machen. Und zwar, wo Leute hinkommen können und wirklich direkt mit uns in den Dialog gehen können. Einfach sagen können: „Mensch, wir haben die und die Fragen, gebt uns mal eine Auskunft. Wohin wollt ihr eigentlich?“ Wir haben ja diesen Digitalbeirat, den habe ich ja ganz bewusst gegründet, um auch mal externe Meinungen zu hören, auch von Leuten, die uns vielleicht auf den ersten Blick gar nicht so wohlgesonnen sind. Ich finde es gerade wichtig, dass wir uns mit Leuten umgeben, die uns nicht nur nach dem Mund reden, sondern auch anecken.“

Milen Starke:

„Richtig, richtig.“

Steffen Schütz:

„Und ich möchte gerne, dass die Leute auch bei uns anecken dürfen und uns vielleicht auch mal den Spiegel vorhalten, uns ein Bild geben. Wie stellen Sie sich eigentlich Digitalisierung vor? Was ist Ihnen wichtig? Und das bringt uns dazu, auch glaubwürdig zu werden und relevant. Und wenn wir wollen, dass die Leute uns verstehen, dann müssen wir auch bereit sein, mit ihnen zu reden. Ich glaube, dass die Leute auch die Nase voll haben von diesem Sprech, von „wir wissen alles und wir können alles“. Es gibt auch Dinge, die wir nicht wissen, die wir auch nicht wissen können. Müssen wir auch gar nicht. Aber wir müssen Leute kennen, die es können.“

Milen Starke:

„Richtig so und ich glaub, das ist auf jeden Fall erst mal ein guter Start bisher gewesen. Wir haben heute alles angesprochen, was, glaub ich, für so eine erste Folge gar nicht schlecht war.“

Steffen Schütz:

„Sind wir schon am Ende? Wirklich?“

Milen Starke:

„Wir haben jetzt hier 30 Minuten gesprochen.“

Steffen Schütz:

„Gut, dann kann ich ja jetzt zum Fußball.“

Milen Starke:

„Ich wollte gerade sagen, du hast aber eine wunderschöne rot-weiße Krawatte an.“

Steffen Schütz:

„Ja, habe ich heute aus gutem Grund, Jena muss jetzt stark sein, wir haben heute 60 Jahre Rot-Weiß Erfurt. Dabei bin ich eigentlich blau-weiß THSV Eisenach. Aber auch noch mal ein Gruß an die Kolleginnen und Kollegen der Digitalagentur, die haben ja aus unserem Ministeriums Besprechungsraum ein kleines Studio gemacht. Mega.“

Milen Starke:

„Richtig, richtig schick.“

Steffen Schütz:

„Also ich würde eigentlich gerne hier sitzen bleiben.“

Milen Starke:

„Wir machen es folgendermaßen, Du gehst jetzt zum Fußball und wir treffen uns beim nächsten Mal hier mit dem kleinen Schweinchen, dem Phrasenschwein. Ich freue mich auf die digitalen englischen Begriffe. Es hat mir sehr viel Freude gemacht, diese erste Folge aufzunehmen. Und bis zum nächsten Mal.“

Steffen Schütz:

„Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank und auf bald.“

Outro

Sprecher:

„Bits und Bratwurst. Der Podcast für dein Upgrade in Thüringen ist eine Kooperation des Thüringer Ministeriums für Digitales und Infrastruktur und der Digitalagentur Thüringen. Alle Folgen findest du auf den gängigen Streamingplattformen.“

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.